Warum wir einen Platz wiederherstellen wollen...
Historisch versus Modern... ? 
Der Neustädter Markt und die Fiktion des Neubeginns... 
Daher ist unser Vorschlag... 
Fazit... 
 
DRESDNER WIEDERAUFBAU:  

Historisch versus Modern?  


Dresden ist eine Stadt der architektonischen Extreme: Der Besucher sieht Fotos eines wunderbaren Elbpanoramas, das auch tatsächlich existiert, und sucht man es auf, und steht direkt davor, auch tatsächlich so schön und beeindruckend ist. Allerdings gibt es dann einen Unterschied: auf den Fotos sieht man nur die beeindruckende Silhouette. Steht man vor ihr, und läßt den Blick weiter wandern, oder wandert gar selbst einige 100 Meter von der Altstadt weg, ändert sich das Bild auf grotesk-erschreckende Weise: Man gelangt innerhalb Sekunden von einer märchenhaft schönen Altstadt in kilometerlange Alptraumlandschaften aus seriellen Betonklötzen, in denen sich selbst tagsüber fast kein Mensch aufhält. Fast die gesamte Dresdner Innenstadt besteht aus sterilen leergefegten Flächen, umsäumt vonnichtssagenden Betonblöcken. Eine ähnlich erdrückende und lähmende Szenerie gibt es in keiner anderen deutschen Stadt. Die Innenstadt ist eigentlich gar keine, und es wird noch lange dauern, sie wieder aufzubauen.

Wir sind nicht gegen moderne Architektur - wenn sie wirklich modern ist, und das nicht nur behauptet. Aber was bedeutet das  - "Modern"? 

In der Regel sind das Bauwerke, die keinerlei Dekor haben dürfen, und überwiegend aus Glas, Stahl und Beton sind. Wir jedoch behaupten, daß "modern" ein tatsächlich vorhandenes Zeitgefühl, einen Zeitgeschmack ausdrücken muß. Zeitgeist ist eine gesamtgesellschaftliche Strömung - nicht nur der Geschmack oder die Gesinnung einer Minderheit, die der Mehrheit vorschreiben will, wie ihre Städte auszusehen haben. Die Mehrheit der Menschen kann mit kalter, funktionalen Betonlandschaften und Glaskästen nichts anfangen. Wir leben in einer Welt, in der seit Bauhaus die Poesie und die Schönheit in der Baukunst abgeschafft wurde. Für viele Menschen hat aber die klassische Schönheit immer noch Gültigkeit; und die tristen Betonlandschaften moderner Städte bieten keine Möglichkeit zur Identifikation - sie sind heute global austauschbar. Wird heute ein Gebäude in Dresden errichtet, und als "modern" gepriesen, bedeutet das eigentlich nur: Es hat nichts für die Region typisches, sondern könnte genau so gut in Kapstadt oder New York stehen. Betrachtet man den Faktor "Wohlfühlen" als einen Nutzen - nichts anderes ist es - dann ist der Nutzen rein funktionalistischer Bauwerke, in denen sich ein Mensch nicht wohlfühlt, gleich Null. Da ein Nutzen aber eine Funktion hat, wird somit das Postulat, alles zeitgenössische müsse "funktionalistisch" sein, ad absurdum geführt.

Was also ist "modern"?

Wir behaupten, daß man nicht vereinheitlicht sagen kann, was "modern" ist: sondern, daß es für verschiedene Situationen auch verschiedene Architektonische Lösungen geben muß. Der Begriff "modern" ist hybrid, nicht mehr greifbar: Was am Ort A vorbildlich und modern sein kann, kann zum
selben Zeitpunkt am Ort B katastrophale Auswirkungen haben. So ergeben sich z.B. an den Städtebau im unzerstörten Paris oder Prag, also Städte mit intakter Bausubstanz, völlig andere Anforderungen, als an den Städtebau in einer Stadt, die fast alles verloren hat wie Dresden, in dessen Innenstadt praktisch keine originale Bausubstanz mehr vorhanden ist. Für eine Stadt, die 1000 wunderschöne Bürgerhäuser in der kriegsunversehrten Altstadt hat, ist es keine Tragik, wenn sie eines verliert. Hat eine Stadt allerdings nur noch 2 oder 3, sieht die Sache anders aus. In der Dresdner Innenstadt stand nach Kriegsende kein einziges Haus mehr. Hunderte von ihnen standen noch als Ruinen, sie wären leicht ausbaubar gewesen - sie wurden fast alle gesprengt. Um Platz zu schaffen für die "sozialistische moderne Stadt". Das Ergebnis ist ein Mahnmal, kilometerweit: Mahnmal für blinden, doktrinären Glauben an das Märchen vom neuen sozialistischen Menschen.
Vergleicht man die Urbanität der Straßen und Plätze Dresdens vor der Zerstörung mit den neugeschaffenen Plätzen und Straßen danach, gewinnt das frühere Dresden haushoch. Eine der zahlreichen Definitionen des Begriffes ist aber "verbessernd". Eine "moderne" Architektur, die verschlechtert, ist folglich nicht modern, auch wenn sie das zu sein vorgibt, und nimmt sich somit selbst die Existenzberechtigung. 
V.i.S.d.P.: Philipp Maass, Kontakt:  philipp.maass@t-online.de
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Investor gesucht - mit dem Hang zur Kultur

Fördern Sie die Schönheit dieser Stadt - Bauen Sie ein Denkmal wieder auf! Sie glauben nicht, daß sich das in der heutigen Zeit verbinden läßt? Wir schon Jahre erbaut worden waren. Trotzdem war und ist ein Wiederaufbau des Rathauses immer wieder im Gespräch.  

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